Form und Emotion – Emmy Noether-Nachwuchsgruppe

Form und Emotion

Affektive Strukturen in der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts und ihre soziale Geltung

Bilder haben in besonderem Maße die Fähigkeit, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Doch was bedeutet die Emotionalität von Bildern, wer hat sie und wie wirkt sie? Das Projekt spürt Emotionen in den künstlerischen Formen auf, die, ähnlich wie Chiffren der Körpersprache, auf direkte Weise Wertungen, Geltungen und Sichtweisen vermitteln. Die französischen Künstler des 19. Jahrhunderts waren in der Ausarbeitung emotionaler Strategien besonders innovativ.

Anhand von Fallstudien werden die dort ausgeprägten künstlerischen und theoretischen Diskurse von Form und Emotion erhellt. Dabei werden Gefühle und ihr formaler Ausdruck im Bild als historisch determiniert angesehen. Es wird gezeigt, wie Bilder auf je unverwechselbare und nicht zu substituierende Weise durch Gefühle Welt erschließen.

Das Projekt verbindet aktuelle Positionen der Emotionsforschung mit einer kritischen Revision des Formbegriffs. Mit der kunstgeschichtlichen Kompetenz zur Dekodierung von Bildern leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Emotionsforschung, indem es zum Verständnis bildhafter Anteile emotionaler Prozesse beiträgt.

Georges Seurat: Der Zirkus, 1891Georges Seurat: Le Cirque, 1891 © bpk | RMN | Patrice Schmidt

Dr. Kerstin Thomas

Die Ästhetik der Formen bei Henri Focillon und Meyer Schapiro

Das Teilprojekt widmet sich der Analyse avancierter formalistischer Positionen des frühen 20. Jahrhunderts, wie sie in der französischen Kunstgeschichte durch Henri Focillon und in der amerikanischen Kunstgeschichte durch Meyer Schapiro vertreten wurden. Es soll gezeigt werden, wie Focillon und Schapiro sedimentierte gesellschaftliche Prozesse in künstlerischen Formen aufgehoben sehen und welches emotionale Potential sie darin vermuten. Diese Analyse soll den dem Projekt zugrunde liegenden Formbegriff historisch verorten und ihn schärfen. Dies soll als Grundlage für die Ausweitung der Fallstudien hin zu einer emotionstheoretischen Perspektive dienen. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Christoph Groß, M. A.

Schmerz als ästhetischer Affekt. Baudelaire und der Dolorismus des 19. Jahrhunderts

Gegenstand der Untersuchung sind die literarischen Inszenierungen körperlichen und seelischen Schmerzes bei Charles Baudelaire unter Einbeziehung ihrer ästhetischen, medizinhistorischen, theologischen und anthropologischen Implikationen. Ausgehend von der Lyrik und den kunsttheoretischen Reflektionen Baudelaires sollen die künstlerischen Verfahren und kulturellen Techniken nachvollzogen werden, durch die der Autor der « Fleurs du Mal » das lebensweltliche Phänomen des Schmerzes in ein poetologisch konsistentes System transponiert und es in der Nachfolge des christlichen Schmerzenskultes zur zentralen Chiffre eines ästhetisch umgedeuteten Dolorismus erhebt. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Michaela Gugeler, M. A.

Edouard Vuillard. Fühlendes Sehen – sehendes Fühlen (Arbeitstitel)

Im Zentrum des Forschungsprojektes steht das Werk des französischen Malers Édouard Vuillard (1868-1940), das vornehmlich Interieurs, dekorative Zyklen und Theaterarbeiten umfasst. Dieses ist geprägt von suggestiven, emotionalen Valenzen, etwa von beklemmender Unheimlichkeit, aber auch von intimer oder idyllischer Atmosphäre und Stimmung. Bereits die Zeitgenossen haben dies immer wieder hervorgehoben, bis heute blieb jedoch eine erschöpfende Analyse aus. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Andrea Haarer, M. A.

formen. Victor Hugos Bildermachen

Obwohl er seine ‚Kritzeleien‘ seiner Literatur unterordnet, scheint das Bildermachen wie das Schreiben zur künstlerischen Arbeitspraxis des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) zu gehören. Zwischen den 1830er und 1870er Jahren zeichnet, kritzelt, kleckst und kratzt Victor Hugo auf Tausenden von Blättern. Auf kleinformatigen Papieren experimentiert er mit verschiedenen Instrumenten, Materialien und Handgriffen des Zeichnens, Malens, Aquarellierens und Druckens und mit deren eigenen formgebenden Potentialen. Das Dissertationsprojekt untersucht dieses Bildermachen. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Katharina Engler, M. A.

Selbstbeherrschung als Subjektivierungsprozess. Der Körper im Affekt in der deutschen und französischen Literatur des 19. Jahrhunderts (Arbeitstitel)

Obwohl die Bedeutung der Selbstbeherrschung in der europäischen Kultur des 19. Jahrhunderts allgemein anerkannt wird, wurde sie in der Literaturwissenschaft bisher kaum beachtet. Gerade aber fiktionale Werke des 19. Jahrhundert geben Aufschluss darüber, wie die kulturelle Praxis der Selbstbeherrschung die Formation von Selbst und Körper bedingt. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Birte Schmöe, M. A.

Die Kunst der Wahrnehmung bei John Singer Sargent (1856-1925) (Arbeitstitel)

Das Forschungsprojekt widmet sich dem amerikanischen Künstler John Singer Sargent. Ziel des Projektes ist vornehmlich die Erforschung des Sargent’schen Porträt–Œuvres im Kontext von Wahrnehmungskonzepten seiner Zeit, denn viele Malerkollegen und Kritiker haben im Laufe seiner Werk– und Rezeptionsgeschichte immer wieder die mangelnde emotionale Intensität seiner Bildnisse beklagt. Indes hat die Forschung seinem Porträtwerk eine gewisse psychologische Tiefe konzediert – bis heute blieb jedoch interessanterweise eine umfassende Analyse aus, die sich mit der Produktion und Erkenntnis von Emotionswerten in Sargents Kunst beschäftigt. Die Autorin unternimmt den Versuch dieses Forschungsdesiderat weiter offenzulegen. Zur ausführlichen Projektbeschreibung.